Ich mit mir
August 1, 2007
Die letzten Tage war ich durchwegs im Bett gelegen und befasste mich mit der Musterung meiner Tapete. Dumpf senierend, berührungslos. Ja meine Tapete gefällt mir. Immer wieder versuchte ich mich dem Tag zu stellen, was erledigt werden muss, sollte auch gewissenhaft getan werden. Wie etwa: Gewissenhaft den Telefonstecker aus der Buchse ziehen. Doch nichts in mir schien lebendig zu sein, obwohl eine Stimme tief im Inneren laut nach einem eingerahmten Leben schrie. „Wenn doch nur mein Leben halt finden würde, an Eckpfeilern. Gefangen im endlosen Fall, nicht fähig die Notleiter zu erreichen.“
Kaum zu glauben aber wahr, denke ich mir, aber jetzt ist er weg. Mein Lebensabschnittsgefährte. Ein Gefährte lediglich für einen Abschnitt meines Lebens? Die genauere Betrachtung liefert also schon die Lösung. Ja, das liegt dem Absurden schon verdächtig nahe. Habe ich mich doch immer so sehr gegen einen Partner mit Schein- Trauschein, gewehrt. Durch die bloße Liebe aneinander gebunden zu bleiben, alles nur Einbildung? So hat`s bis heute geklappt. Und jetzt das. Aus und vorbei. Weg. Futsch. Kurz: keine Brötchen am Morgen, kein geregeltes Sexleben, kein eingeseift-werden unter der Dusche, kein nichts, kein gar nichts mehr.
Ganz konkret ist heute der erste Tag vom Rest meines Lebens, den ich nicht wage in meinem Kalender zu markieren. Oder sollte ich schreiben: Dorette- ab heute allein, oder: Freitag- schwarz, oder: Heute- Pille absetzen, niemand wird dich schwängern.
Obwohl es gerade mal kurz nach 8 Uhr ist und sich Kaffeegeschmack auf meiner Zunge breit macht, sind heute ausnahmslos alle Termine gestrichen. Heute und für den Rest der Woche, wobei, Moment mal, ja das passt, ist ja heute schon Freitag. Heute gehört der Tag mir, wie auch ich mir von nun ab jeden Tag nur noch selbst gehöre. Brrr, wie schauderhaft.
„Zu tief die Enttäuschung, zu tief die Angst vor dem was kommt und jetzt undefinierbar vor mir liegt. Und zu tief hat sich der Schmerz in meine Seele gebrannt. Das- Verlassen- werden konfrontiert mich ungewollt mit dem Suchen und Finden des Glückes und dem Durchleben des Schmerzes, kurz: dem Sinn des Lebens. Gekämpft und doch verloren, Leben ohne Liebe? Niemals, Leben ist Liebe. Allein angekommen, allein gehen. So der Lauf der Dinge, und dazwischen? Sollten da nicht Beziehungen auf zwischenmenschlicher Basis das Leben überhaupt erst lebenswert machen?“
Sollte da nicht Remmidemmi sein? Sanft die Fetzen fliegen? Doch nun befinden sich meine Gefühle im Sturzflug. Aber, tröstlicherweise muss auch das mal eine Ende nehmen. Muss- das liegt in der Natur der Sache. Niemand fällt nur, denn der Sturz zwingt zum Aufstehen. Ob man will oder nicht.
Also gut, da ist sie ja wieder, meine Spontaneität. Ich habe mich zum Brunchen verabredet- mit mir, am Freitag Morgen. In genau 42 Minuten.