Mucksmäuschenstill. Versprochen
August 3, 2007
“Enttäuschung bringt die Seele in Aufruhr
bis hin zur Verbitterung
Alles sträubt sich gegen diese Mechanik
Doch meist wird man machtlos besiegt
Schmerz verzerrt
Wirkt so hässlich
In mir, an mir
Und ist so schwer zu ertragen
Schreien befreit und öffnet. Es entlässt Wut aus dem Körper und zeigt ein Abbild des inneren Ist-Zustandes.”
Dumm nur, wenn die Wut ausgerechnet in einem Cafe raus will und man dadurch von der Bedienung aufgefordert wird, man möge doch zahlen und gehen. Was weiß die schon von Angst und Trennung. Schon klar: eine Frau, mit Augenringen die man mit schwarzer Schuhcreme verwechseln könnte und abgeblättertem Nagellack, schreiend am Tisch sitzend? Gehört sich auch nicht. Also gut. Bin nachhause und habe die Wände angebrüllt, und den Tisch und den Stuhl und das Bier im Kühlschrank und alle haben sie mir zugehört. Ach wie schön das war, kein Widerspruch, keine Diskussion, einfach schreien. Es hat mir soviel Spaß gemacht, dass ich einfach weiter geschrieen habe und dabei die Zeit vergaß. In der Zwischenzeit hat mein Ex angerufen und da ich ja vergaß auzuhören, hat er aufgelegt. Ich bin mir ziemlich sicher dass ich die ultimative Waffe zur Förderung der eigenen Unbeliebtheit erfunden habe.
“Wenn das Herz blutet, hilft kein Verband oder die bloße Blutstillung. Es benötigt den Prozess der Heilung, neues Gewebe und Kruste. Das Jucken zeigt uns: ja wir sind auf dem richtigen Weg, Linderung hat sich eingestellt. Zuweilen erinnert uns das Kratzen an die Narbe.”
Morgen werde ich wieder ins gleiche Cafe gehen, werde der Bedienung zeigen dass ich keine von den Irren bin, dass ich ganz ruhig auf meinem Stuhl sitzen und in der grauen Menge der Gäste untergehen kann. Ich werde mir eine Zeitung mitnehmen und ganz vertieft die aktuelle Weltproblematik studieren- zum Schein. Denn in Wahrheit werde ich den muskulösen Ober beim Kaffeekochen beobachten. Morgen werde ich nicht schreien. Versprochen.